Steckerlfisch
Von Bayern nach New York – Julia Stegner macht Weltkarriere. Hübsche Mädchen gibt es auf dem Oktoberfest genug. Aber bislang ist Julia Stegner (26) die einzige, die dort auf der Wiesn zwischen Bier und Brezeln als Model entdeckt wurde. Sie wurde weltweit als das neue „deutsche Fräuleinwunder“ gefeiert.
by petiteEtoile (16. February 2011)
Als sie einmal mit ihrer alten Clique unterwegs war, wollte der Türsteher sie doch nicht in Münchens Nobel-Disco P1 lassen. Anstatt aus der Haut zu fahren und sich darüber aufzuregen, dass er ihr weltbekanntes Gesicht nicht kannte, nahm sie die Abfuhr sportlich. „Ich habe ihm erklärt, dass ich Julia die Basketballspielerin aus Ismaning bin. Schon öffneten sich die Türen“ erzählt sie schmunzelnd.
Das Supermodel, das für Marken wie Dolce & Gabbana, Chanel, Yves Saint Laurent, Armani, Dior, Louis Vuitton und Boss auf dem Laufsteg unterwegs ist, scheint offenbar auf dem Teppich geblieben zu sein. Sie ist die Ruhe selbst, höflich und zurückhaltend. Großspuriges Gehabe und der branchenübliche Zickenalarm sind nicht ihr Ding. „Ich bin so wie ich immer war und oft viel zu brav“, findet sie und würde trotzdem nicht anders sein wollen. 21 Jahre ist sie jung, so langbeinig wie blond, entwaffnend normal und natürlich. Dabei hat die hochgeschossene, wahnsinnig schmale Julia Stegner - während der Schulzeit wurde sie deshalb wenig nett als Steckerlfisch und Bohnenstange gehänselt - eine beispiellose Karriere hingelegt: In Rekordzeit von Null auf 36,8 Millionen Euro. So hoch (und damit höher als den von Heidi Klum oder Claudia Schiffer) bezifferte die Werbeagentur BBDO ihren Markenwert.
Allerdings scheint sie selbst das nicht sonderlich zu beeindrucken. „Ich habe Glück gehabt und mache meinen Job gerne“, sagt Julia Stegner bescheiden, ihre grünen Augen blitzen. „Es geht darum überraschend und aufregend zu wirken – wandelbar zu sein.“ Ob als Lady, Schulmädchen oder Vamp - Julia ist leicht zu schminken, urteilen die Profis. Sie schlüpft gern in andere Rollen, überzeugt auf dem Catwalk genauso wie vor der Kamera. „Sie ist ein zeitloser Typ, eine klassische Schönheit“ urteilt Designerin Stella McCartney und Karl Lagerfeld schwärmt von ihr als „moderne Version der schönen Deutschen, von der junge Männer träumen“. Oft wird sie verglichen mit Claudia Schiffer. Louisa von Minckwitz, die die damals 15-Jährige auf dem Oktoberfest entdeckt hat, findet sie so hübsch wie Nastassja Kinski oder die junge Brigitte Bardot.
Und was macht Julia? Sie freut sich und spricht von ihren Macken: Der Mund ist schief, die Zähne sehen auch nicht aus wie aus dem Schöner-Lächeln-Katalog bestellt und die Ohren sind ziemlich groß. „Ich bin nicht makellos, vielleicht ist das mein Markenzeichen“, erklärt sie ihren Erfolg und wirkt viel reifer als andere im Alter.
Ärgert es sie, wenn alle Welt denkt, Models seien blöd und oberflächlich? Schön und diplomatisch wagt sie kein böses Wort über Kolleginnen, sondern vergleicht ihren Job, der nie ihr Traumjob war, mit dem Sport. „Beide haben wenig mit Glamour und Schickeria zu tun als vielmehr mit Pünktlichkeit und Disziplin. Alle denken immer nur, ich trage schöne Kleider und verdiene reichlich Kohle”. Aber sie weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt, wie groß der Druck, wie mächtig die Konkurrenz ist. Anfangs ist sie damit überhaupt nicht klar gekommen. All die Termine, wenig Schlaf, ständig auf Achse, weg von zu Hause, von ihrer Familie, ihren Freunden. „Doch der Job ist zeitlich begrenzt, man ist auswechselbar, und wer weiß, wie lange ich noch gefragt bin.“
Julia - redegewandt und realistisch – lässt sich nicht von Fotografen, Agenturen und Terminen treiben, sie steckt sich eigene Ziele. Eines davon lautet: Als Model so perfekt wie möglich zu sein, das heißt keine Partys, kaum Alkohol und auf die Figur achten. Statt mittags Pasta und Pizza wie früher, muss sie sich heute für ein Gericht entscheiden. Models haben dünn zu sein, das ist für sie keine Frage. „Wir sind eine Art Kleiderständer. Ausgeprägte Schultern, schmale Hüften, dann fällt das Designer-Kleid optimal.“ Sie nimmt sich nicht so wichtig, findet, dass sie nichts Weltbewegendes leistet. „Ich bin doch kein Arzt, der anderen hilft.“
„Sie ist ein Vollprofi“, sagt Ingo Wilts, Chefdesigner von Hugo Boss und nimmt sie nach der Modenschau auf dem 60 Meter langen Laufsteg am Hockenheimring in die Arme. Julia war eigens von New York aus eingeflogen und zeigte sich beim Finale vor 1300 Gästen aus aller Welt in einem federleichten, kreidefarbenen rückenfreien Abendkleid mit Perlmuttbändern.
Zahlreiche Kampagnen hat sie für den Konzern aus Metzingen inzwischen gemacht. Der Werbefilm für den neuen Boss-Duft „Femme“ ist in Ibiza entstanden. Ein deutsches Mädchen als Gesicht für deutsche Mode: offensichtlich ein Renner. Denn mit der schönen Blonden kamen der Boss und seine Damenmode auf Touren, die Umsätze schnellen weltweit in die Höhe. Ein Ende der Liäson ist nicht in Sicht.
Auch privat setzt Julia auf Beständigkeit und Diskretion. Sie ist mehr mit ihrer Arbeit im Gespräch, weniger mit ihren Männern. Lange Zeit war sie mit ihrem Jugendfreund, einem Polizisten und - wie sie –Basketballspieler aus Ismaning liiert. In New York, wo sie seit einem Jahr in Little Italy lebt, hat sie Steven Pan kennen gelernt. „Er ist Fotoassistent und wir sind glücklich“. Basta, keine Details. Die Ferien verbringt sie gerne – am liebsten in Röhren-Jeans und T-Shirt - bei ihren Freunden und Eltern in Bayern.
Vermisst sie ihr zu Hause? „Schon und irgendwann möchte ich wieder in Deutschland leben. Aber wer weiß, wenn ich einen Amerikaner heirate?“ Doch egal, wo sie dann wohnt, ein Ziel hat sie: Viele Kinder, denn die gehören auf jeden Fall in Julias Welt.
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