Die Netzwerkerin

Sie ist klein, energisch und erfolgreich. Die Anwältin Martina Haas aus Berlin macht sich für ein besseres Netzwerk unter Frauen stark. Als einer der typischen Karrierefallen für Frauen wird häufig das schlecht geführte Netzwerk genannt. Aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit tapsen Frauen in die Falle und sitzen fest. Von dort aus können sie dann frustiert zusehen, wie Männer es besser machen: Da ein Anruf, dort ein Bierchen. Da eine erhitzte Diskussion, dort ein friedlichere Small Talk.

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Eigentlich sind es einfache Spielregeln, die im Berufsalltag nützlich sein können – auf dem Weg nach oben oder einfach für ein erfolgreiches Miteinander. Ein gutes Netzwerk bestimmt unseren Alltag. Warum tun sich Frauen so schwer damit?

 

Die Unternehmensberaterin und Anwältin Martina Haas (48) aus Berlin überlegt: „Männer scheinen ein Gen für Vernetzung zu besitzen, Frauen hingegen glauben unerschüttlich, dass alleine Tüchtigkeit reicht und reagieren allergisch auf alles, was nach Küngelei riecht.  Dabei basiert Erfolg nur zu zehn Prozent auf Leistung (!), ansonsten machen ihn zu 30 Prozent Selbstvermarktung und zu 60 Prozent gute Beziehungen aus!“

Kein Wunder also, dass Martina Haas folgenden Titel für ihr Buch wählte: „Was Männer tun und Frauen wissen müssen“ (Merus Verlag).  Neben guten Tipps verraten in diesem Buch auch 19 erfolgreiche Persönlichkeiten, was sie vom Networking halten oder selber praktizieren.

So meint Ralleyfahrerin Heidi Hetzer, dass Frauen zwar immer und viel miteinander sprechen, aber für den richtigen Netzwerkknoten würde es eben nicht reichen.

Allerdings ist es mit einem Anhäufen von Kontakten auch nicht getan. Promi-Friseur Gerhard Meir empfiehlt deshalb, auf das Niveau der Kontakte zu achten und sie danach zu sortieren. Heiner Geißler hält vom Netzwerken dagegen gar nichts, weil er „unabhängig bleiben möchte“. Sympathisch, wie Journalist und FAZ-Mitherausgeber Dr. Hugo Müller-Vogg zugibt: „ Ich habe in meiner Tätigkeit zwangsläufig viele Beziehungen aufgebaut. Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, sie systematisch gepflegt zu haben“. Eine Ausnahme gab es jedoch: „Es mag banal klingen, abrr ich nehme mir immer die Zeit, Weihnachtskarten zu verschicken und zwar meistens mit einem individuellen Zusatz für den Adressaten. Aber das habe ich schon gemacht, als es den Begriff

Networking noch gar nicht gab. Meiner Tochter sagte ich kürzlich, sie solle auf alle Fälle die Adressen ihrer Studienkollegen aufbewahren, mit denen zusammen sie in Princeton gerade ihren „Bachelor“ gemacht hat. Und sie sollte mit ihnen in Kontakt bleiben!“ Und: „ Man sollte sich vor Augen halten, dass Networking nicht die Leistung ersetzt. Man muss etwas zu bieten haben, das auch für andere interessant ist. Der Erfolg tritt ein, wenn etwas zurückkommt. Das setzt natürlich die Bereitschaft voraus, auch etwas für andere zu tun“.

 

Ob es nun Networking heisst oder Netzwerk oder Vitamin B – über allem leuchtet die klare Binsenweisheit: „Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat!“ Die Buchautorin hilft auf die Sprünge:

 

Frau Haas,  wollen Sie mit Ihren Vorträgen also dazu beitragen, dass es weniger Frust unter Frauen gibt?

Ich glaube, „die Augen öffnen“, „Mutmachen“ und „zum Handeln auffordern“ trifft es noch genauer. Frust wird es immer geben. Wenn aber das eigene Handeln oder Nichthandeln die Ursache ist, lässt er sich vermeiden. Wenn ich mich darüber ärgere, dass mich in meinem Unternehmen, meiner Partei, meiner Branche keiner kennt, muss ich etwas dagegen tun. Wenn andere beruflich schneller vorankommen, obwohl sie mir fachlich das Wasser nicht reichen können, muss ich überlegen, woran das liegt. Ich will Bewusstsein für klassische Frauen- und Karrierefallen schaffen und damit Anstoß, vor allem aber auch Hilfestellungen zur Veränderung geben.

Was kann jede einzelne Frau  tun, damit das Netzwerken rund läuft?

Platt gesagt: bewusst netzwerken und die klassischen Netzwerkfehler vermeiden. Am wichtigsten ist, andere nicht zu nerven und nicht zu schmarotzen.

Wie kann ich via Netzwerk Konkurrenz aus dem Feld schlagen?

Indem man verlässliche Förderer hat, zumindest aber über bessere oder wichtigere Informationen früher verfügt als andere und diese zu nutzen weiß.

Was ist das größte Plus, das NUR Männer beim Netzwerken haben?

Mich stört ein wenig die Ausschließlichkeit. Verständigen wir uns darauf, dass das Gesagte für die meisten Männer gilt, für die aber zu 100 Prozent: Männer reden nicht über das Netzwerken, sie tun es ganz selbstverständlich und zwar bei allen sich bietenden Gelegenheiten und völlig unbefangen. Es gehört einfach mit dazu.

Was könnte das größte PLUS sein, dass NUR Frauen beim Netzwerken haben könnten?

Zur Ausschließlichkeit gilt das oben Gesagte entsprechend, daher präzisiere ich: Die meisten Frauen haben weiterreichende kommunikative Fähigkeiten als Männer und denken ganzheitlicher: Sie hören i. d. R. besser zu, erfassen auch das zwischen den Zeilen Gesagte oder Geschriebene und die Situation des Gegenüber oft besser. Das ist sehr wichtig: Es kann für einen guten Gesprächseinstieg sorgen, schlechte Stimmung bei größeren Besprechungsrunden entkrampfen oder Gesprächen eine völlig andere Richtung geben. Das sind Stärken, deren sich Frauen bewusst sein sollten. Im zweiten Schritt sollten sie bereit sein, diese Fähigkeit bewusst einzusetzen und die Früchte daraus zu ziehen.

Sie sagen: „Vernetzen Sie sich - Erfolg versprechend mit den richtigen Leuten“. Wie weiß ich, wer die richtigen Leute für mich sind?

Ein Jurist antwortet immer: Es kommt darauf an - nämlich darauf an, was man erreichen möchte und wer dabei helfen kann. Ob es letztlich die richtigen Leute sind, weiß man oft erst hinterher. Am Anfang steht stets die Hoffnung…In erster Linie muss die Chemie stimmen, ohne eine gewisse Grundsympathie wird man sich nicht gegenseitig fördern wollen. Wenn ich bestimmte Informationen benötige, muss ich mich in den Kreisen von Menschen bewegen, die diese Informationen haben oder beschaffen können. Will ich z. B. politisch Karriere mache, muss ich in eine Partei eintreten und dort Unterstützer und letztlich Wähler finden.  Wenn ich mit meinen Ideen nicht vorankomme oder mich in einem Kreis von Personen nicht wohl fühle, wenn mich die meisten Themen nicht interessieren, der Clubbeitrag und der Lebensstil der anderen zu teuer ist, dann sollte man sich nach etwas anderem umtun. Netzwerken sollte auch Freude machen.

Die geneigte Leserin, die diese Geschichte nun bis zum Ende gelesen hat, was sollte sie jetzt gleich als gute Netzwerkerin tun?

Den inneren Schweinehund überwinden: Die Telefonrückrufliste zügig abarbeiten oder eine solche erstellen (lassen), überlegen, wem man noch Informationen oder Unterlagen schuldet und dies erledigen. Sowie ab sofort Business-Veranstaltungen, Empfänge, Ausstellungseröffnungen etc. auch unter Networking-Aspekten betrachten, die Termine verbindlich in den Kalender eintragen und wirklich hingehen.

Martina Haas

Martina Haas ist Anwältin und geschäftsführende Gesellschafterin von Konzept und Innovation Consulting-Coaching (www. Konzept-innovation.de). Sie arbeitet und lebt mit ihrem Lebenspartner in Berlin. Die Devise der erfolgreichen Unternehmerin: „ Gute Gespräche und gutes Essen sind mir sehr wichtig. Sowohl abschalten als auch hervorragend nachdenken kann ich beim Kochen, wofür ich mir auch Zeit genehmige. Allerdings ist die Küche dann für meinen Partner gesperrt. Bei uns gilt seit jeher: Gemeinsam essen, aber unbedingt getrennt kochen…

10 Fehler, die Frauen beim Netzwerken machen

I. Unzureichende Netzwerke

1. Sehr oft fehlt das Bewusstsein, dass Networking im Beruf wichtig ist.

2. Networking wird von Frauen häufig mit den negativen Begriffen Seilschaften und Klüngelei gleichgesetzt und kategorisch abgelehnt.

3. Viele Frauen kennen wichtige Netzwerke nicht, insbesondere nicht die informellen.

4. Frauen definieren sich fast ausschließlich über Leistung und meinen, auf Unterstützung verzichten zu können und zu müssen.

5. Frauen nehmen sich für das Netzwerken nicht genug Zeit und setzen falsche Prioritäten.

II. Fehler bei der praktischen Umsetzung

6. Keine Visitenkarten dabei zu haben, generell keine zu besitzen oder handschriftlich korrigierte zu verwenden und nicht auf gutes Papier und guten Druck zu achten.

7. Erst kurz vor Veranstaltungen zu kommen und danach schnellwieder zu gehen. Das sind verpasste Kontaktchancen.

8. Frauen reden zu selten über Berufliches oder Finanzielles.

9. Frauen meiden gemischte Netzwerke.

10. Manche Fehler fallen unter die Oberbegriffe „schlechtes Benehmen“ und „fehlende Professionalität“ wie z. B. zugesagte Rückrufe nicht zu erledigen, Emails nicht zu beantworten, Termine mehrfach zu verschieben, umständliches Vorgehen bei Terminabsprachen.

 

10 Tipps für ein besseres Frauen-Netzwerk

1. Frauen müssen lernen, Netzwerke beruflich zu nutzen und nicht primär Freunde/Freundinnen zu suchen.

2. Frauen müssen erkennen, dass sie unterschiedliche Netzwerke brauchen, nicht nur eines. Sie sollten sich dabei auch nicht nur auf Frauennetzwerke kaprizieren.

3. Man muss sich regelmäßig bei Veranstaltungen sehen lassen.

4. Man muss in der Lage sein, sich kurz und prägnant vorzustellen und das, was man beruflich macht, in drei Sätzen beschreiben zu können.

5. Extrem wichtig ist bei Frauen hochwertige Businesskleidung, ein guter Haarschnitt und ein gepflegtes Äußeres, denn das Äußere wird bei Frauen stärker bewertet als bei Männern. Überdies neigen viele Männer dazu, Frauen rangniedriger einzustufen und per se für Assistentinnen zu halten.

6. Frauen müssen selbstbewusster auftreten, dazu gehört laut und deutlich zu sprechen.

7. Sie sollten Small Talk nicht für banal halten. Er ist der Türöffner schlechthin.

8. Im Netzwerk muss man sichtbar sein (durch Redebeiträge, Ausübung eines Ehrenamtes etc.).

9. Frauen sollten nicht alles persönlich nehmen.

10. Frauen sollten bewusst andere Frauen unterstützen und mit ins Boot nehmen.

Al Capone is a member of yoorite since 2 years and lives in Trier.

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